Führung, Gastbeiträge, Magazinausgabe #4
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Wieviel Kontrolle braucht Führen auf Distanz?

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“Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser”  – wir alle kennen dieses Sprichwort. In der Arbeitswelt hat sich diese Haltung in den letzten Jahren stark gewandelt. Kontrolle – nein danke! Vertrauen – unbedingt! Doch kann das in der Praxis immer gut funktionieren? Besonders jetzt und künftig, wo die tägliche Büropräsenz zunehmend durch hybrides Arbeiten ersetzt wird? Wo Homeoffice normal und Arbeitszeiten flexibel sein dürfen? Unsere Gastautorin, Businesscoach Doris Ipsen, meint: Jein. Kontrolle an der richtigen Stelle ist ihrer Ansicht nach ein Zeichen von Wertschätzung.

“Kontrolle” steht per Definition für eine Handlung, die überprüft, ob alles in Ordnung ist. Klingt erstmal gut, oder? Immer mehr Führungskräfte betonen aber, dass sie ihre Mitarbeiter:innen „keinesfalls kontrollieren wollen“ – aus Sorge, nicht fürsorglich und empathisch wahrgenommen zu werden und vielleicht den Stempel eines Hardliners aufgedrückt zu bekommen.

Und ich höre Mitarbeiter:innen, die sich beklagen, dass ihre Führungskraft ihnen nicht vertraut und Kontrollmechanismen einbaut. Die sich gegängelt und eingeengt fühlen durch Fertigstellungstermine und Nachfragen der Leitungsebene. Beides verstehe ich sehr gut.

Führen auf Distanz: Vertrauen und Kontrolle sind kein Widerspruch

Trotzdem müssen wir uns eine Frage stellen: Stehen Vertrauen und Kontrolle tatsächlich in einem Widerspruch?  Aus meiner Sicht keinesfalls! Für mich gehören sowohl Kontrolle als auch Vertrauen zu einer guten Zusammenarbeit dazu, sie sind wichtige Bestandteile geschäftlicher Beziehungen.

Eine der primären Aufgaben einer Führungskraft ist es, Ziele vorzugeben – und regelmäßig zu überprüfen, ob diese Ziele erreicht werden (können). Kontrolle ist dabei nicht als misstrauische Überwachung oder Schikane zu verstehen. Sondern als eine gesunde und konstruktive Kommunikation über die gemeinsame Zielsetzung. Denn wie sonst könnte eine Führungskraft die Arbeit des Teams wertschätzen und verstehen, wenn sie Leistungen nicht sichtet? Wie können Abläufe verbessert werden, wenn es keine Gespräche über sie gibt? 

Führen auf Distanz: Kontrolle signalisiert Interesse

Und vor allem: Wie fühlen sich Mitarbeiter:innen, die Aufgaben bekommen, bei denen sich hinterher niemand für die Ergebnisse interessiert? Jeder Mensch wünscht sich Anerkennung für seine geleistete Arbeit. Wie demotivierend ist es da, nicht das Gefühl zu bekommen, dass die eigene Arbeit ein wichtiger Teil für das Unternehmen darstellt? Für die Motivation ist nicht nur die Sinnhaftigkeit der Arbeit entscheidend – sondern auch das Gefühl, für seine Taten wahrgenommen zu werden und nicht belanglos zu sein.

“Mitarbeiter:innen dürfen nicht das Gefühl haben, dass es egal ist, was sie tun und ob sie etwas tun.“

Doris Ipsen

Das Zusammenspiel von Kontrolle und Vertrauen ein wichtiger Bestandteil, die Arbeitswelt in eine neue Dimension zu bringen. Eine Arbeitswelt, in der Zeiten und Orte eine untergeordnete Rolle spielen und gemeinsame Ziele, Ergebnisse, Werte und individuelle Stärken Vorrang haben.

Meine Empfehlung an Führungskräfte:

Alle Aufgaben, die an Mitarbeiter:innen ausgegeben werden, müssen zwingend nachgehalten werden. Dafür benötigt jede Führungskraft ihr eigenes System, um entsprechend den Überblick zu behalten, Prioritäten zu setzen sowie Termine nachzuhalten. Mitarbeiter:innen dürfen nicht das Gefühl haben, dass es egal ist, was sie tun und ob sie etwas tun. Gute Ergebnisse haben Wertschätzung und Aufmerksamkeit verdient.

Meine Empfehlung für alle Mitarbeiter:innen:

Die Überprüfung der geleisteten Termine auch eigenverantwortlich einfordern. Nur somit erhält die Führungskraft die Gelegenheit um Wertschätzung für die Arbeit, Ergebnisse und Lösungen anzubringen. Vorgesetzte müssen überhaupt die Gelegenheit bekommen, Lob auszusprechen.


Doris Ipsen ist Businesscoach und Führungskräftetrainerin aus Husum mit den Schwerpunkten Unternehmertum und Mitarbeiterführung. Ihr Ziel ist es, gemeinsam mit den Kunden die Werte der Arbeitswelt neu zu definieren und ein Bewusstsein für die Ergebnisse von Führung zu schaffen.  Web | XING | Facebook

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