Blick in die Praxis, Magazinausgabe #5, Struktur & Kultur
Schreibe einen Kommentar

Unternehmenspende: So machen es erlich textil und FEINSCHREIBER

durchschnittliche Lesedauer 5 Minuten

Im Artikel „Unternehmensspende: Ein Gewinn für beide Seiten“ habe ich zusammengefasst, wie Wohltätigkeit in der Unternehmenskultur und -kommunikation verankert werden kann. Natürlich wollte ich auch einen Blick in die Praxis werfen und habe daher mal bei erlich textil und der Kommunikationagentur FEINSCHREIBER nachgefragt, wie sie es mit den Spenden handhaben, warum sie überhaupt einen Teil ihres Gewinns abgeben und welchen Effekt das auf die Unternehmenskultur hat.

Die termingebundene Spende: erlich textil

Geschäftsfeld: Onlinehandel für nachhaltige Textilien

Anzahl Mitarbeitende: 37

Wohltätiges Engagement: ehrlich textil unterstützt einmal jährlich den Verein FEMNET e.V. 10 Prozent des am Black Weekend eingenommenen Umsatzes fließen an den Verein. 

Corporate Social Responsability – was versteht ihr bei erlich textil darunter?

Der CSR-Bereich bei erlich textil ist als zentrale Schnittstelle im Unternehmen verankert. Die Stelle hat sowohl eine beratende als auch eine projektleitende Funktion im Unternehmen und bildet eine Brücke zu allen Abteilungen (Einkauf, Produktmanagement, Marketing, Personal). Auf diese Weise fließen soziale und ökologische Aspekte in alle Unternehmensprozesse und -entscheidungen ein.

Auf eurer Website lese ich, dass ihr im letzten Jahr FEMNET e.V. 38.974,11 EUR bereitstellt. Wie ist dieser Betrag zustande gekommen?

Wir arbeiten nun schon seit 2018 zum Black Weekend mit FEMNET e.V. zusammen und spenden daher jährlich eine höhere Summe an den Verein. Von den 20% Rabatt die wir anlässlich des Black Weekends auf unsere Artikel geben, werden 10% an FEMNET e.V. gespendet. So kommt dieser Betrag für 2020 zustande.

Es gibt viele Organisationen, die sich für die Rechte und die Sicherheit von Frauen stark machen. Wahrscheinlich war es gar nicht so einfach, eine davon als Spendenempfängerin auszuwählen. Nach welcher Methode habt ihr eure Entscheidung getroffen?

Wir kooperieren auch mit anderen Organisationen und Vereinen zu verschiedenen Anlässen, wie beispielsweise mit dem Verein für Fraueninteressen zum Equal Pay Day. Zum Black Weekend haben wir uns dazu entschlossen, dass wir Frauen in der globalen Bekleidungsindustrie unterstützen möchten. Wieso? Allein in Bangladesch arbeiten etwa 4 Millionen Menschen in diesem Wirtschaftszweig und davon sind ca. 80% Frauen, welche häufig mit Ausbeutung und Diskriminierung konfrontiert werden. Zwar produzieren wir selbst in Europa, um Transportwege möglichst kurz zu halten, aber wir möchten einen weiteren Teil beitragen zu einer menschenwürdigen Modeindustrie – weltweit. FEMNET e.V. macht sich schon seit 2007 für Frauenrechte in der Textilbranche stark. Der thematische Fokus und die langjährige Erfahrung haben uns angesprochen. Nach ausführlicher interner Prüfung und persönlichem Gespräch mit unseren FEMNET Partnerinnen, haben wir dann auch gemerkt, dass wir auf einer Werte-Wellenlänge sind. Das hat uns überzeugt! 

Was wissen die Mitarbeitenden von erlich textil über die Kooperation mit FEMNET e.V.? Wie haltet ihr sie darüber auf dem Laufenden?

Da es eine jährliche Zusammenarbeit mit Femnet e.V. ist, wissen alle Mitarbeitenden über die Kooperation und die Tätigkeiten des Vereins bescheid. Unsere CSR Managerin steht in regelmäßigem Kontakt zum Verein und berichtet an das Team, wenn sich beispielsweise eine konkrete Verwendung für die Spendensumme gefunden hat oder aber auch wenn es Probleme dabei gibt, was in diesem Jahr z.B. aufgrund von Corona der Fall war. 

Was würdet ihr anderen Unternehmen raten, die auch mit dem Gedanken spielen, zu spenden? Was sollten sie unbedingt beachten? 

Auf jeden Fall ist es zu empfehlen einen Spendenplan inkl. Budget, Anlässe und Feld (Ökologie, Sozial, etc.) aufzustellen, sich eingehend mit den Prinzipien der möglichen Spendenempfänger:innen auseinanderzusetzen und auch zu evaluieren wie und welchen Einfluss die Spende in dem speziellen Feld haben könnte. Anhand dessen und natürlich persönlichen Gesprächen mit potentiellen Spendenempfänger:innen lässt sich einfacher ableiten welche Organisationen, Projekte und/oder Vereine seriös sind, zu dem eigenen Unternehmen (und Prinzipien) passen und für welche man spenden könnte. 

Die Antworten gaben Elisa Lange (PR) und Benedetta Pompetzki (CSR) 

Die monatliche und die geldwerte Spende: FEINSCHREIBER

Geschäftsfeld: Agentur für Text & Kommunikation

Anzahl Mitarbeitende: 4-5

Wohltätiges Engagement: FEINSCHREIBER® unterstützt den Verein UBOMI, der sich für Kinder in den Townships im südafrikanischen Kapstadt stark macht, mit einer monatlichen Geldspende und projektbezogener Unterstützung bei der Erstellung von Blogbeiträgen sowie Pressemitteilungen. 

Bremen und Kapstadt, Texte und Township – auf den ersten Blick ist kein Zusammenhang zwischen euch als Kommunikationsagentur und dem von Euch begünstigten Projekt UBOMI erkennbar. Warum unterstützt ihr genau dieses Hilfsprojekt?

Jeder von uns engagiert sich privat immer mal wieder oder regelmäßig für soziale Zwecke – deswegen war für uns schon bei der Gründung klar, dass wir auch mit FEINSCHREIBER® Gutes bewegen wollen, wenn wir uns das finanziell erlauben könne. Auf UBOMI sind wir durch eine unserer Auftraggeberinnen gestoßen: die Jugendherbergen im Nordwesten. Dort arbeitet Biggi Hägemann als Programmentwicklerin für die Häuser zwischen Nordsee und Sauerland. Als wir erfahren haben, dass sie sich in ihrer Freizeit für Kinder in den Townships von Kapstadt einsetzt, hat uns das ziemlich berührt – und die Art und Weise, wie sie das mit vollem Herzen tut, auch ziemlich begeistert. Weil wir durch die Erfahrung mit Biggi wissen, dass das Geld auch wirklich vor Ort ankommt, war für uns klar: Da wollen wir gerne dabei sein. Und weil wir gemerkt haben, dass wir auch anderen gerne von Biggi und ihrem Team in Südafrika erzählen, fällt es uns auch leicht, bei Bedarf die Kommunikation von UBOMI durch Artikel, Pressemitteilungen und unsere Kontakte in die Redaktionen zu unterstützen. 

Ihr stellt das Projekt auf eurer Website ausführlich da – und macht euer Engagement damit auch sehr prominent sichtbar. Gibt es darauf direkte Reaktionen? Konnte das Projekt UBOMI dadurch vielleicht weitere Spenden erhalten bzw. ihr euch von Wettbewerbern abheben?

Die Idee zu der Projektseite auf unserer Website kam uns in der Vorweihnachtszeit 2019. Wir haben überlegt, wie eine sinnhafte Weihnachtskarte aussehen könnte – und da UBOMI kurz vor dem Bau des vierten Hauses im Township stand, wollten wir lieber den Verein als uns in den Mittelpunkt der Grußkarten stellen. Da war aber relativ wenig Platz für all das Gute, das UBOMI bereits geprägt hat. Deswegen haben wir uns entschieden, über die Website mehr zu dem Projekt zu erzählen, und die Seite anschließend einfach stehen gelassen.

Natürlich wollen wir damit in erster Linie auf den Verein aufmerksam machen – und hoffen, dass er bei dem einen oder anderen hängen bleibt. Wie viele tatsächlich schon wegen uns etwas gespendet haben, wissen wir leider nicht. Aber oft sind es ja genau diese zufälligen Begegnungen: Man sucht nach einem Thema oder einer Dienstleistung, sieht nebenbei etwas – und irgendwie lebt das in einem weiter, bis irgendwann der Tag kommt, an dem daraus eine kleinere oder größere Idee entsteht, die Biggi, ihrem Team und den Kindern in Südafrika vielleicht weiterhilft. Immerhin ist die Zahl der UBOMI-Kinder mittlerweile schon auf 150 angestiegen – plus all die Menschen, die jetzt während Corona die temporäre Suppenküche des Vereins aufsuchen.

Abschließend noch ein Randaspekt: Dass wir das Thema größer auf unserer Website spielen, hat vielleicht auch eine Art Filterfunktion. Potenzielle Auftraggeber:innen, die sich mit diesen Werten nicht identifizieren können, fragen uns dann wahrscheinlich gar nicht erst an. Und das ist gut so, weil wir mit unseren Kund:innen gerne immer auch eine persönliche Ebene teilen.

Als Konsument oder Kunde fällt es oft schwer zu entscheiden, ob ein Unternehmen aus Überzeugung oder doch eher für Werbezwecke die Wohltätigkeit für sich entdeckt. Wie können Unternehmen ihren Spendenaktivitäten Glaubwürdigkeit verschaffen?

Tatsächlich finde ich es schön zu sehen, dass mittlerweile ein Großteil der Unternehmen das Thema Wohltätigkeit für sich entdeckt haben. Ob das aus Image-Gründen oder Überzeugung geschieht, ist für mich dabei erst einmal zweitrangig – denn es kommt ja etwas für den guten Zweck zusammen, und es kann etwas durch das Geld verbessert werden. Es gibt sicherlich auch einen Domino-Effekt: Je mehr Unternehmen sich engagieren, umso eher bekommen andere das Gefühl, auch etwas tun zu wollen – oder vielleicht auch zu „müssen“. 

Ich denke, um herauszufinden, wie ehrlich es einem Unternehmen mit seinem Einsatz für den guten Zweck ist, lässt sich ganz gut herausfinden: Indem man darüber spricht. Wer – wie wir bei UBOMI – wirklich begeistert von einer Sache ist, nimmt sich dann auch Zeit, ins Detail zu gehen, für das Projekt zu werben. Das merkt man einfach. Aber auch wir kämpfen hin und wieder damit, wie wir mit dem Thema umgehen sollen. Wir erzählen bei fast jeder Gelegenheit etwas zu UBOMI, aber es soll ja nicht so klingen, als würden wir uns selber damit beweihräuchern, da einen kleinen Beitrag zu leisten – sondern wir wollen nur die Chancen nutzen, dass sich daraus etwas für Biggi und ihr Team ergibt.

Ihr unterstützt UBOMI nicht nur finanziell, oder?

Wir sind natürlich nur ein kleines Team und müssen immer schauen, was möglich ist. Andere Unternehmen, vor allem auch das Deutsche Jugendherbergswerk, leisten da viel viel mehr, als wir das können. Aber wenn Biggi sich bei uns meldet, versuchen wir auch mit dem zu unterstützen, was wir können – und das ist eben vor allem Text und Öffentlichkeitsarbeit. Also mal eine Pressemitteilung, mal ein Aussand an Redaktionen, mal ein Blogbeitrag. Je nachdem, wie der Bedarf ist und was unser Zeitplan hergibt. Es könnte aber auch noch mehr sein, denn eigentlich hat Biggi immer etwas zu berichten. Und wir schreiben gerne Gutes.

Die Antworten gab Tobias Meyer (mit Vanessa Salbert und Marcel Waalkes Geschäftsführer von FEINSCHREIBER®)

Kategorie: Blick in die Praxis, Magazinausgabe #5, Struktur & Kultur

von

Eltern können keine verantwortungsvolle Position ausüben und gleichzeitig ihr Familienleben jongliere? „Von wegen!” meint Sandra. Wenn Unternehmen entsprechende Rahmenbedingungen bieten, klappt das ihrer Ansicht nach ganz wunderbar. Bei nine to life macht die Bremer Kommunikationsexpertin Bedürfnisse berufstätiger Eltern sichtbar, gibt Gedankenanstöße, wie Organisationen ihren Arbeitsalltag familienfreundlicher gestalten können, und widmet sich dem Thema Mentaler Gesundheit. Außerdem verantwortet sie die Projektkommunikation. LinkedIn | Instagram | Website

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.