Führung, Magazinausgabe #2
Schreibe einen Kommentar

Arbeitszeitgestaltung als Führungsinstrument

durchschnittliche Lesedauer 2 Minuten

Unser Blick auf die Zeit hat sich durch Corona verändert, allein deshalb, weil viel darüber diskutiert wird, wo man seine Arbeitszeit jetzt verbringt: im Büro, im Homeoffice, in Online-Besprechungen,… Dieser Artikel erläutert, warum die Arbeitszeit dadurch ein spannendes Führungsinstrument wird – und wie Führungskräfte dies nutzen können.

In unseren Beratungsprojekten bei PLANKTON geht es fast immer darum, mit welchen Mitteln man Organisationen so gestalten kann, dass die identifizierten Probleme gelöst und/oder die formulierten Ziele erreicht werden. Wir gehen dabei vom Luhmannschen Grundsatz aus, dass die Verhältnisse das Verhalten bestimmen. Und schauen je nach Thema und Aufgabe danach, welche Hebel sich eignen, die Verhältnisse in der Organisation entsprechend zu verändern, anzupassen und weiterzuentwickeln. 

Die großen Hebel für Veränderung liegen meist in den Strukturen: Gehälter, Karrierewege, Hierarchiestufen, Arbeitsinhalte, Zielvereinbarungen, Entscheidungsbefugnisse, Verantwortungsgebiete. Manchmal auch im Bereich von Strategien und Zweckformulierungen. Doch interessanterweise ist die Arbeitszeit in der Praxis bisher keiner dieser großen Hebel. Warum eigentlich nicht?

Ungenutzte Gestaltungsmöglichkeiten

Das „Problem“ an der Arbeitszeit ist, dass hier die Verhältnisse maßgeblich außerhalb der Organisation festgelegt sind: Im Arbeitszeitgesetz, in Tarifverträgen. Die Organisation hat auf dieser Basis zwar eine Gestaltungsmöglichkeit in der Verhandlung und Formulierung des Arbeitsvertrages. Dieser wird allerdings nur in speziellen Situationen wie einer Beförderung o.ä. inhaltlich angepasst – und die Arbeitszeit ist dabei selten ein Thema.

Ξ Gestaltungsspielraum! Welche Freiräume Arbeitsverträge im Punkt Arbeitszeit bieten, hat Arbeitsrechtlerin Mareike in ihrem aktuellen Artikel aufgezeigt.

Wenn doch, dann im Kontext von Elternzeit oder der Frage von Teil- und Vollzeit. Grundsatzfragen, die einmal geklärt, anschließend wenig variabel sind. In der Konsequenz ist Arbeitszeit damit ein nur selten zu nutzendes Führungsinstrument. Bisher.

Zum Thema Arbeit und Zeit gibt es bislang vor allem unzählige Ratgeber, wie man Zeit am effektivsten managen kann. Als wenn die Zeit das mit sich machen ließe. Tatsächlich geht es dabei natürlich um die Priorisierung von Arbeitsinhalten, die Delegation von Aufgaben, die Strukturierung der eigenen Arbeit. 

Die Zeit hat allerdings durch Corona eine massive Aufwertung erlebt. Weil im Lockdown einerseits deutlich wurde, wie wertvoll sie ist. Und andererseits viel darüber diskutiert wurde, wo man sie verbringt: im Home Office, im Büro, in der Bahn (die Bahn erfuhr als Arbeitsplatz ebenfalls eine deutliche Aufwertung). Und damit wurde die Aufteilung der Arbeitszeit in Bezug auf den Arbeitsort plötzlich eine Dimension, die deutlich mehr gestaltbar und deshalb als Führungsinstrument relevanter wird.

Ein Erkenntnis – drei Empfehlungen

Der Hebel für die Führungskraft ist in allen Fällen – Arbeitsinhalte, Arbeitszeit oder Arbeitsort – ganz konkret die Berücksichtigung der individuellen Bedürfnisse der Mitarbeiter*innen bei eben jener Aufteilung. Hier haben beide Seiten ein Aushandlungsfeld, in dem sowohl viele Möglichkeiten als auch Konfliktpotenzial liegen.

Doch was kannst Du als Führungskraft mit dieser Erkenntnis anfangen? Mindestens Dreierlei:

  1. Gehe auf die Wünsche Deiner Mitarbeiter*innen ein und gib Dir Mühe, im Rahmen Deiner Möglichkeiten Lösungen zu finden. Die Loyalität und Motivation als Gegenleistung wird Dir gewiss sein, denn bei der Gestaltung der Arbeitszeit geht es häufig um existenzielle Themen wie die Organisation der Kinderbetreuung.
  1. Nutze die individuellen Lösungen im Aushandlungsprozess dafür, die Ziele Deines Teams zu unterstützen (z.B. durch Vergabe neuer Aufgaben). Und kommuniziere dies ins Team, um Akzeptanz für Lösungen zu erzeugen, die nicht für jeden gleich sein können und auch nicht müssen.
  1. Sei Dir der Verantwortung für Deine Mitarbeiter*innen bewusst und habe ein wachsames Auge darauf, wie die neue Gestaltung der Arbeit umgesetzt wird und ob nicht eine Überforderung die Folge ist, die sich dauerhaft sehr negativ auswirken kann. Sei Dir bewusst: Wir alle lernen gerade den Umgang mit der scheinbar neuen Freiheit. Du auch!

In diesem Sinne: Nehmen wir uns die Zeit und arbeiten gemeinsam daran. Schreib uns von Deinen Erfahrungen. Wir freuen uns auf einen spannenden Diskurs.

Kategorie: Führung, Magazinausgabe #2

von

Marc war Werber bei Jung von Matt, bis seine Töchter das Licht der Welt erblickten und er der Familie den Vorzug vor einer 70-Stunden-Woche gab. Heute ist er Geschäftsführer von www.futurzwei.de. Seine Kunden schätzen den diskursiven Beratungsstil und den scharfen Blick für pragmatische Problemlösungen in Strategie- und Organisationsprozessen sowie Stadtentwicklungsprozesses. Bei nine to life vertritt er die Perspektive von Führungskräften, die sich permanent neuen Anforderungen an Führung, Zusammenarbeit und Organisation stellen müssen. LinkedIn | Instagram |

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.