Blick in die Praxis, Magazinausgabe #4, Mitarbeitergewinnung
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Fachkräfte aus dem Ausland beim Jobwechsel unterstützen

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Der Fachkräftemangel in Deutschland macht es aktuell für viele Unternehmen schwer, qualifizierte Mitarbeiter:innen im eigenen Land zu finden. Deshalb setzen sie auf Recruiting von Fachpersonal aus dem Ausland. Ein Jobwechsel über Landesgrenzen bedeutet sowohl für Firmen als auch die jeweiligen Angestellten einen deutlich höheren Aufwand. Wie Arbeitgeber:innen Fachkräfte aus dem Ausland beim Jobwechsel sinnvoll unterstützen können und was ein Relocation Service leistet, zeigt dieser Praxiseinblick.

Um einen Einblick zu bekommen, wie internationales Onboarding in der Praxis funktionieren kann, habe ich mich mit Roy* unterhalten. Der 27-jährige Ingenieur ist im Juli 2020, also mitten in der Pandemie, aus England in ein großes Unternehmen in Deutschland gewechselt – für die Liebe und die Aufstiegschancen, ohne nennenswerte Deutschkenntnisse. Er gab mir Einblicke in den Ablauf von Recruiting und Onboarding und skizzierte, welche Maßnahmen des Unternehmens ihm dabei halfen und welche Maßnahmen ihm persönlich gefehlt haben.

*Da dieses Interview sehr persönlich ist, bleiben sowohl Roy, als auch das Unternehmen, welches ihn rekrutierte, anonym. Außerdem wurde das Interview aufgrund der Einfachheit für den Interviewpartner auf Englisch geführt und für diesen Artikel im Nachhinein ins Deutsche übersetzt.

Auch wenn wir in Deutschland aktuell nicht mehr von einem “Ingenieurmangel“ sprechen, zeigen die aktuell 80.500 freie Stellen im Ingenieurwesen, dass Fachkräfte, auch gerne aus dem Ausland, sehr gefragt sind. So war von Beginn an großes Interesse an Roy als Fachkraft da, als er über „University careers fair“ (einem Offline-Angebot seiner Universität), bei welchem sich Unternehmen persönlich vorstellen können, auf seinen jetzigen Arbeitgeber traf. 

Das Unternehmen organisierte daraufhin erst ein digitales Vorstellungsgespräch und dann ein weiteres vor Ort in der Nähe von Frankfurt, damit sich Roy einen Eindruck von der Firma und von der Umgebung machen konnte.

Am Ende entschied sich Roy für die Stelle. Die zentralen Gründe: unternehmensintern wird Englisch gesprochen, was Roy einen Arbeitseinstieg ohne Sprachbarrieren ermöglichte. Außerdem schienen die Aufstiegschancen groß zu sein. 

Umziehen & ankommen: Welche Maßnahmen seines Arbeitgebers Roy geholfen haben…

Um Roys Umzug und den Beginn seines Aufenthalts in Deutschland so angenehm wie möglich zu gestalten, wurden keine Mühen gescheut. Alle Kosten, die zum Beispiel durch die Reisen und Wohnungsbesichtigungen anfielen, wurden vom Unternehmen übernommen und der Arbeitgeber stellte einen Deutschkurs bereit. 

Als besonders hilfreich empfand er den vom Unternehmen bezahlten und organisierten „relocation service“. Um nicht selbst mit den Herausforderungen, die ein internationaler Umzug mit sich bringt, konfrontiert zu sein, gibt es eine Vielzahl solcher Agenturen, die diese Herausforderungen übernehmen. Sie begleiten den Umzug der jeweiligen Fachkraft und kümmern sich, wie auch in Roys Fall, um Visaanträge, Behörden- und Amtsgänge, z.B. beim Einwohnermeldeamt oder bei Versorgungsbetrieben (Strom, Gas, GEZ, …), die Wohnungs-, Schul- und Kitasuche sowie die Autoanmeldung und die Umschreibung des Führerscheins. 

… und welche Maßnahmen gefehlt haben

Durch den schnellen Umzug und trotz der Hilfe des Relocation Service hatte Roy Schwierigkeiten bei der Wohnungssuche in Frankfurt. Aufgrund der drängenden Zeit war er gezwungen, übergangsweise in eine sehr ungemütliche Wohnung relativ weit entfernt von seinem neuen Arbeitsplatz zu ziehen. Eine vorübergehende, von seinem Arbeitgeber gestellte, Unterkunft wäre wünschenswert gewesen. 

Außerdem hätte sein Unwissen und die fehlende Recherche dafür gesorgt, dass er sich in dem Stadtteil, in welchem er zu Beginn gelandet sei, unwohl gefühlt habe. Informationen und Empfehlungen des Unternehmens zu Stadtteilen und Regionen, in denen man gut leben kann, oder Empfehlungen von Arbeitskollegen zu Wohngegenden wären an diesem Punkt für ihn sehr hilfreich gewesen.

Einarbeiten & ankommen am Arbeitsplatz

Trotz erschwerter Pandemiebedingungen fühlt sich Roy nach rund neun Monaten zugehörig und scheint ziemlich zufrieden. Er erzählt mir davon, dass tägliche Online-Meetings halfen, alle Kolleg:innen kennenzulernen. Sein Unternehmen organisierte außerdem Events unter freiem Himmel, damit auch ein Kennenlernen in etwas größerem Kreise stattfinden konnte. Besonders profitiert habe er davon, dass durch die Pandemie meist allerdings eher kleinere Meetings und Mittagessen vor Ort stattfanden. Dies half dabei, die Kollegen besser und sehr persönlich kennenzulernen und trug zu einer erfolgreichen Eingewöhnungsphase bei.

Fachkräfte aus dem Ausland beim Jobwechsel unterstützen: 4 Tipps

1.      Relocation Service als Hilfsmöglichkeit

Die Nutzung eines Relocation Service bietet eine hervorragende Möglichkeit, um der Fachkraft auf organisatorischer Ebene zu helfen und sich schnell im neuen Land und mit der Situation zurechtzufinden.

2.      Als Arbeitgeber vorübergehend eine Unterkunft stellen

Die Wohnungssuche in einem anderen Land, in einer anderen Sprache, in einer Großstadt und am besten spontan –  ist schwierig! Als Arbeitgeber eine vorübergehende Unterkunft zu stellen, würde der Fachkraft sehr viel Stress ersparen.

3.      Insiderinformationen zur Stadt teilen

Wo wohnst du am schönsten und mit kurzem Weg zur Arbeit? Wie lernst du nach Feierabend dein neues Zuhause am besten kennen? Solche Informationen sollten Unternehmen in Welcome-Broschüren bzw. Relocationhandbüchern weitergeben können, um damit das Ankommen der internationalen Fachkraft zu unterstützen.

4.      Zu Beginn Meetings in kleinen Arbeitsgruppen

Kleine, übersichtliche Meetings vor Ort helfen, Kollegen schnell kennenzulernen und einen guten Bezug zueinander aufzubauen. 

Kategorie: Blick in die Praxis, Magazinausgabe #4, Mitarbeitergewinnung

von

Kim ist Stimme der Generation Z und spielt gern mit Zukunftsgedanken. “Wie kann ich die Arbeitswelt, in die ich eintauchen werde, schon jetzt fortschrittlicher gestalten?, fragte sie sich – und fand die Antwort in einer Mitarbeit bei NINE TO LIFE. Kim studiert Kommunikations- und Medienwissenschaften.

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