Magazinausgabe #4, Mitarbeitergewinnung, Struktur & Kultur
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Wenn Kinder nah dran sind: Vorteile einer Betriebskita

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Betriebliche Kinderbetreuung steht sinnbildlich für eine familienorientierte Unternehmensstruktur. Welche Formen und Konzepte von Betriebskitas gibt es aber überhaupt? Und welche Vorteile ergeben sich? Ich habe ein paar Antworten mitgebracht. Außerdem einen Einblick in die Erfahrungen der ConVista Consulting AG. Sie bietet seit 2015 Kinderbetreuung an.

Kinderbetreuung ist ein zentraler Faktor für die Produktivität, das geben 82 Prozent der Unternehmen in der Studie „Neue Chancen für Vereinbarkeit“ von Prognos (September 2020) an. Die ökonomische Relevanz von Kinderbetreuung zeigt sich weiterhin darin, dass 79 Prozent der befragten Unternehmen der Meinung sind, dass betriebliches Familienbewusstsein nach der Corona-Krise für die Bindung und Gewinnung von Fachkräften einen hohen Stellenwert hat. Die Krise wirkt quasi als Beschleuniger für das betriebliche Familienbewusstsein: Laut der Studie führte jedes zweite Unternehmen als Reaktion auf die Krise familienbewusste Maßnahmen ein oder weitete das vorhandene Maßnahmenangebot aus.

Fachkräfte gewinnen durch familienorientierte Unternehmenskultur

Arbeits- und Betreuungszeiten zu vereinbaren ist für die meisten Eltern aktuell eine riesen Herausforderung. Dabei ist den Arbeitnehmer:innen Flexibilität bei den Arbeitszeiten heute wichtiger als eine Gehaltserhöhung. Familienfreundlichkeit wird somit ein immer wichtigerer Faktor für Unternehmen, wenn sie einen Unterschied zum Wettbewerber machen und Fachkräfte für sich gewinnen wollen. Das Wort Distanz passt da erstmal nicht in den Kontext. Aber wie wäre es, genau diese für die Mitarbeiter:innen zu verringern und zwar wenn es um ihre Kinder geht? Stichwort Betriebskitas! 

Betriebliche Kinderbetreuung ist ein wichtiger Baustein einer familienorientierten Unternehmenskultur und steigert die Zufriedenheit und Motivation der Beschäftigten enorm. Gelebte Familienfreundlichkeit gibt dem Unternehmen eine Identität, das die Bewerber:innen heute viel mehr interessiert als die harten Unternehmenszahlen (vgl. hierzu die April-Ausgabe unseres Newsletters, der übrigens hier abonniert werden kann: Newsletter)

Betriebliche Kinderbetreuung: Eine Win-Win-Situation

Neben der besseren Vereinbarkeit liegen die Vorteile von firmeneigener Kinderbetreuung für die Eltern auf der Hand: Sie werden bei der Platzvergabe bevorzugt behandelt und wissen ihr Kind zu jeder Zeit in der Nähe. Sie müssen keine großen Distanzen oder Umwege zur Kita auf sich nehmen oder befürchten, wegen des Feierabend-Verkehrs die Abholzeit zu verpassen. Der Wiedereinstieg in den Beruf gelingt leichter und die Chancengleichheit von Müttern und Vätern steigt.

Die Unternehmen wiederum profitieren von weniger Fehlzeiten und geringerer Fluktuation der Beschäftigten. Sie können bei den täglichen Betreuungszeiten und jährlichen Schließtagen der Kita mitbestimmen. Es besteht weiterhin die Möglichkeit, Kinder auch unterjährig einzugewöhnen und damit sich und den Eltern noch mehr Flexibilität zu ermöglichen.

Betriebliche Kinderbetreuung: Was es neben Betriebskitas noch gibt

Die Einrichtung einer eigenen Betriebskita ist die aufwändigste Form für Unternehmen, quasi ein „Betrieb im Betrieb“ und erfordert umfangreiches Fachwissen. Es gibt aber noch andere Möglichkeiten der betrieblichen Kinderbetreuung, je nachdem wieviel Kapazitäten und finanzielle Mittel das Unternehmen aufwenden kann und möchte (angelehnt an diese Quelle):

Betriebskindergarten

Ein eigener Betriebskindergarten ist sozusagen der Königsweg und ermöglicht ein Maximum an Flexibilität sowie eine zielgerichtete Ausgestaltung angepasst an die Strukturen und Vorgaben des Unternehmens. 

Verbundkindertagesstätte

Um von den Vorteilen einer Betriebskindertagesstätte zu profitieren, aber Investitionen und Betriebskosten zu teilen, können Unternehmen Kooperationen mit anderen Firmen aus der Nachbarschaft eingehen und gemeinsam eine Verbundkindertagesstätte aufbauen.

Mini-Kita / Mini-Krippe / Großtagespflege

Wenn der Bedarf nach Kinderbetreuungsplätzen besteht, eine eigene Betriebskita allerdings zu umfangreich ausgelegt wäre, ist insbesondere für kleine und mittlere Unternehmen die Mini-Kita für bis zu 10 Kinder eine geeignete Alternative. Sie ist durch die kleine Gruppengröße sehr persönlich und familiär und überaus flexibel gestaltbar.

Belegplätze

Um sowohl den Bedürfnissen der Mütter und Väter als auch den unternehmerischen Interessen nachzukommen, können Firmen ein festes Kontingent an Betreuungsplätzen in örtlichen, bereits bestehenden Kinderbetreuungseinrichtungen erwerben. Damit entlasten sie Eltern, in Zeiten in denen Kitaplätze Mangelware sind, deutlich.

Ferienbetreuung

Schulferien und Kita-Schließzeiten sind sowohl für Eltern als auch Arbeitgeber:innen immer wieder eine organisatorische Herausforderung. Um diese Lücke zwischen Familienzeit und Beruf verlässlich zu füllen, gibt es Dienstleister, die betriebliche Ferienprogramme entwickeln und durchführen.

Notfallbetreuung / Flying Nannies 

Wenn die regelmäßige Kinderbetreuung wegen Krankheit der Erzieher:innen oder aus anderen Gründen ausfällt, können Unternehmer:innen kurzfristig und zeitlich flexibel pädagogische Fachkräfte buchen und damit eine Notfallbetreuung vor Ort sicherstellen. Damit bieten sie Müttern und Vätern eine verlässliche Alternative. Denkbar übrigens auch für geplante Firmenveranstaltungen bei denen Eltern anwesend sind, die für diese Zeit dann eine Kinderbetreuung benötigen.

Betriebskita: Ein Blick in die Praxis

Die ConVista Consulting AG bietet ihren Mitarbeiter:innen an ihrem Hauptstandort in Köln bereits seit 2015 Möglichkeiten zur Kinderbetreuung. Die Distanz zwischen den Büroräumen der IT-Beratung und der Kinderbetreuung: 500 Meter. Bei den „ConVista Zwergen“ können bis zu neun Kinder bis drei Jahre untergebracht werden. Einige Plätze sind schon an Kinder von Mitarbeiter:innen vergeben, die übrigen Plätze belegen Kinder aus der Nachbarschaft.

Die Planung hat die ConVista Consulting AG nicht alleine umgesetzt, sie hatte Unterstützung von der sira GmbH. Die sira GmbH aus München entwickelt für und mit Arbeitgeber:innen Betreuungskonzepte für Kleinkinder. Deutschlandweit gibt es mehrere private Dienstleister, die sich hierauf spezialisiert haben und sind eine gute erste Anlaufstelle für Unternehmen um sich beraten zu lassen. Diese Anbieter betreuen auch nach der Eröffnung den laufenden Betrieb und haben zudem gute Kenntnisse über die verschiedenen finanziellen Förderungsmöglichkeiten, die allerdings je nach Bundesland variieren. Auch die Servicestelle das Förderprogramms „Betriebliche Kinderbetreuung“ der Initiative „Erfolgsfaktor Familie“ des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend berät noch bis Ende 2022 Unternehmen um das passende Betreuungsmodell für ihre Beschäftigten zu entwickeln.

„Die ConVista Zwerge sind für mich als Mitarbeiterin und Mutter ein echter Benefit unseres Unternehmens.“ 

Kathrin Sonnborn

Was hat die ConVista Consulting AG dazu bewegt, eine Großtagespflege zu eröffnen? Kathrin Sonnborn, Human Resources bei ConVista, antwortet darauf: „Wir haben die ConVista Zwerge gegründet, um Eltern die Vereinbarkeit von Familie und Beruf zu ermöglichen und den Wiedereinstieg ins Berufsleben zu erleichtern.“ In einer Arbeitswelt, die sich ständig verändert, so Kathrin weiter, möchte das Unternehmen ihren Mitarbeiter:innen möglichst viel Rückhalt und Flexibilität bieten. Neben einer familiären Atmosphäre und einer standortnahen Betreuung gäbe es bei den ConVista Zwergen ein unkompliziertes Anmeldeverfahren und wenig Schließtage im Jahr. „Im Recruiting-Prozess bekommen wir immer wieder positives Feedback zu unserem Angebot der Kinderbetreuung. Dies unterstreicht nochmals die Flexibilität, die wir unseren Mitarbeiter:innen bieten, was uns von anderen Unternehmen abhebt.“

Die ConVista Consulting AG ist so überzeugt von dem Konzept als Zeichen für gelebte Familienfreundlichkeit in Unternehmen, dass sie gerne – je nach Bedarf – zusammen mit der sira GmbH noch weitere Standorte in Deutschland aufbauen würde.

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Lisa kommt aus dem Marketing, hat BWL an der Uni Bremen studiert und liebt es zu organisieren und zu gestalten. Sie kümmert sich daher bei nine to life hauptsächlich um die grafische Umsetzung. Frisch aus der Elternzeit kommend beschäftigt sie sich gerne, aber irgendwie auch zwangsläufig, mit aktuellen Themen wie Achtsamkeit, Mental Load und Vereinbarkeit von Beruf und Familie.

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