Fachkräfte von morgen, Magazinausgabe #1
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Was tun, wenn zu viele ToDos zum Status quo werden?

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Irgendwann hat sie jeder einmal vor sich liegen: eine ToDo-Liste, die einfach nicht kürzer, sondern immer länger werden will. Was sich ein paar Tage durchaus aushalten lässt, darf aber nicht zum Status quo werden. Die schlimmen Auswirkungen habe ich zerrissen zwischen Corona-Studium, Remote-Praktikum und Sozialleben jüngst selbst erlebt. Wie sich zu viele ToDos in Zeiten von Corona anfühlten und vor allem: wie mir Selbstreflexion und Eigeninitiative schneller als gedacht zu einem neuen, wohltuenden status quo verhalfen, das erzähl ich Euch.

Ende Januar, gerade als mein erste Semester zu ende ging, ergatterte ich mein derzeitiges Langzeit-Praktikum. Nicht mal ein Monat Onboarding war vergangen, bevor die Corona-Pandemie meine Lebens- und Arbeitssituation komplett auf den Kopf stellte. Unerwartet schnell fanden Studium und Praktikum nur noch online aus dem Home Office statt, Sport und soziale Kontakte brachen mit dem Lockdown weg und es galt, sich plötzlich neu zu organisieren. Ähnlich wie mir ging es auch allen anderen: den Dozent*innen an der Uni, meiner Praktikumsleiterin, meinem soziales Umfeld.

Status quo #1: Langeweile

Die ersten Wochen Anfang April war ich noch um jede Aufgabe froh, die ich im Rahmen des Praktikums bekam, weil das Semester noch nicht gestartet hatte und mir jede Ablenkung aus dem unspektakulären Lockdown-Leben herzlich willkommen war. Während bei mir in der Zeit des Lockdowns allerdings mehr Zeit zur Verfügung stand, brachen bei meiner Praktikumsleiterin die Betreuungsmöglichkeiten für ihr Kind und damit auch ihre regelmäßige Arbeitszeit weg.  Dementsprechend unregelmäßig konnten wir uns austauschen.

Status quo #2: Stress

Mit Beginn des Online-Semesters änderte sich die Situation grundlegend. Meine Zeit wurde wieder knapper, meine ToDo-Liste hingegen länger. Nach ungefähr zwei Wochen meine Nerven blank. Ich wollte Aufgaben immer direkt bearbeiten, wenn ich sie bekam, wodurch es Tage gab, an denen ich von morgens um 8 bis abends um 22 Uhr am Schreibtisch saß, um alles für Uni und Praktikum fertig zu bekommen – nur um dann die nächsten zwei Tage keine Energie und Lust mehr zu haben. 

Ich fragte mich, wie ich es schaffen könnte, Ordnung in ein Chaos zu bekommen, das nicht von mir selbst ausgeht. Es galt, selbstständig zu agieren, eine konstruktive Lösung für mich selbst zu entwerfen und sie mit allen Involvierten zu besprechen.

Transformation durch Selbstreflexion…

Ich reflektierte die zurückliegenden Wochen und kam schließlich zu der Erkenntnis, dass mir die über den Tag anwachsenden Aufgaben das größte Problem bereiteten. Hatte ich mir einen Plan für den Tag gemacht, der vorsieht, dass ich ab 16 Uhr frei habe, dann gab es nichts Demotivierenderes als noch drei Stunden länger am Schreibtisch sitzen zu müssen und die Ungewissheit im Nacken zu haben, dass dies am nächsten Tag auch passieren könnte. 

Ich erstellte mir eine Art Wochenplan, der erstmal unabhängig von Aufgaben realistisch dargestellt hat, wie viele Stunden ich wirklich in der Woche arbeiten kann, und setzte mir das Ziel, acht Stunden täglich nicht zu überschreiten. Am Ende sah dieser Plan wie folgt aus: Von Montag bis Donnerstag standen acht Stunden täglich Uni, am Freitag acht Stunden Praktikum und am Samstag acht Stunden Arbeit als Aushilfe bei der Post an. Den Sonntag habe ich mir komplett freigehalten, um einen Tag zum Abschalten zu haben und am Montagmorgen wieder voller Energie in die Online-Vorlesungen starten zu können. 

… und konstruktive Lösungsvorschläge

Daraufhin fragte ich bei meiner Praktikumsleiterin nach, ob es in Ordnung wäre, wenn ich alle Aufgaben, die ich über die Woche bekam, immer am Freitag abarbeiten würde. Glücklicherweise war dies überhaupt kein Problem und der Vorschlag wurde dankend angenommen, weil damit auch gleichzeitig klar wurde, wann meine Arbeit spätestens vorliegen würde. Ich konnte über die Woche alle anliegenden Aufgaben sammeln, um diese dann am Freitag abzuarbeiten zu können, ohne mich in der Woche unter Druck setzen zu müssen, die Aufgaben am selben Tag noch fertigstellen zu müssen. 

Status quo #3: Ein gutes Gewissen 

Im Laufe der Zeit gelang es mir, mich immer besser kennenzulernen und selbst zu bemerken, wann ich arbeits- und aufnahmefähig bin –  und wann nicht. Durch das klar gesetzte Ziel, genau acht Stunden zu arbeiten, fiel es mir einfacher, auch mal von 16-24 Uhr zu arbeiten, wenn ich am Morgen mal nichts geschafft hatte. Oder auch mal schon sehr früh fertig sein zu können, wenn ich morgens früh angefangen habe, ohne ein schlechtes Gewissen zu haben, dass man sich ja theoretisch abends noch ein paar Stunden an die Aufgaben setzen könnte.

Diese Zeiteinteilung war nur temporär für die Zeit des Lockdowns. Je nach aktueller Situation in Bezug auf die Pandemie und Phase des Studiums verschieben sich mittlerweile fast wöchentlich meine Wochenpläne. Diese Situation ist nicht ideal, aber ich bin meistens froh, in meiner Zeit- und Wocheneinteilung flexibel zu sein und die Möglichkeit zu haben, persönliche Vorschläge einbringen zu können, weil dies geholfen hat, durch die Zeit des Lockdowns hindurch die Nerven zu behalten und auch im Hinblick auf eine ungewisse Zukunft den Anker der Entscheidungsfreiheit zu haben.


Zum Nachdenken und Nachmachen:

  • Immer nur Frust? Die Motivation lässt spürbar nach? Nehmt Euch und Eure Gefühle ernst. versucht herauszufinden, welche Ursachen es dafür gibt.
  • Erstellt Euch einen Wochenplan: Wie sähe er aus, wenn Ihr ihn nach Euren Bedürfnissen gestalten könntet.
  • Habt den Mut, diese Idealvorstellung mit allen zu besprechen, die es betrifft.

Unser Magazin funktioniert nach einem festen Prinzip: Jede*r feste Autor*in greift einen Aspekt des aktuellen Leitartikels auf, den er*sie gern ausführlicher betrachten möchte. Kim ist in unserem Leitartikel “Zurück in die selbstbestimmte Zukunft” besonders an den Schilderungen einer Mitarbeiterin hängengeblieben, die der Corona-Krise mit einer überdurchschnittlich pro-aktiven und eigeninitiativen Arbeitsweise reagiert hat.  “Birgit Hägemann gehörte zu den Mitarbeiter*innen, die dafür nicht erst auf grünes Licht vom Geschäftsführer gewartet, sondern schnell und eigeninitiativ an konstruktiven Lösungen gearbeitet haben. Ohne beispielsweise zu wissen, ob Klassenfahrten in 2020 überhaupt noch einmal stattfinden würden, hat sie sich hingesetzt und Klassenfahrten konzipiert, die an Corona angepasst sind und den bisherigen Qualitätsstandards für die Inhalte entsprechen.”

Kategorie: Fachkräfte von morgen, Magazinausgabe #1

von

Kim Ringat

Kim ist Stimme der Generation Z und spielt gern mit Zukunftsgedanken. “Wie kann ich die Arbeitswelt, in die ich eintauchen werde, schon jetzt fortschrittlicher gestalten?, fragte sie sich – und fand die Antwort in einer Mitarbeit bei NINE TO LIFE. Kim studiert Kommunikations- und Medienwissenschaften.

2 Kommentare

  1. Avatar

    Hi Kim,
    ein wirklich guter Text – Dankeschön!

    Obwohl ich seit vielen Jahren selbständig bin und meine Zeit frei einteilen kann, muss ich trotzdem zwischendurch immer mal wieder zu einem Wochenplan zurückfinden, damit ich mich nicht überarbeite.

    Klingt vielleicht komisch nach fast 20 Jahren Selbstorganisation, aber irgendwie geraten meine guten Vorsätze & Strukturen immer mal wieder in Vergessenheit und dann weiß ich: es ist wieder Zeit für mehr Planung 🙂

    Viele Grüße
    Heike

    • Kim Ringat
      Kim Ringat sagt

      Hallo Heike,
      erst einmal vielen Dank!

      Es klingt für mich absolut nicht komisch, dass Strukturen in Vergessenheit geraten und ab und an Zeit für neue Planung ist, schließlich müssen wir uns immer wieder neuen Umständen und Herausforderungen annehmen. Ich bin schon wirklich gespannt, was die nächsten sein werden!

      Liebe Grüße
      Kim

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