Magazinausgabe #3, Struktur & Kultur
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Weniger Pendelstress nach Corona?

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Corona fordert uns und unser Nervenkostüm nach wie vor bis an die Grenzen. In mindestens einem Punkt könnte die Pandemie unsere Arbeitswelt allerdings langfristig in eine gesünderer Richtung verändern – im Bereich der Mobilität. Denn: Es wird weniger gependelt. Derzeit zwangsläufig, langfristig vermutlich freiwillig: zwei verschiedene Blitzumfragen ergaben übereinstimmend, dass über 60 Prozent der Befragten nach der Krise das Arbeiten von zu Hause beibehalten wollen. Was durchaus zu verstehen ist, hat Pendeln doch häufig negative Auswirkungen auf das Sozialleben und die Gesundheit. 

Das bestätigt der aktuelle BKK-Gesundheitsreport 2020 mit Daten aus den Jahren 2019 und 2020. Er kommt zum Ergebnis, dass (vor der Pandemie) immer mehr Menschen zur Arbeit pendelten, fast jede zweite angestellte Person arbeitete ganz oder teilweise mobil – Tendenz steigend. Der Arbeitsweg ist in der Vergangenheit zudem immer länger geworden: Vor 20 Jahren lag die durchschnittliche Wegstrecke noch bei weniger als 15 km, inzwischen sind es 17 km. 

Pendeln kann krank machen

Dies blieb nicht ohne Folgen: Pendler:innen leiden häufiger als Nicht-Pendler:innen an psychosomatischen Beschwerden, einem geringeren Wohlbefinden und Unzufriedenheit. Erschöpfung, Kopf-, Nacken- und Gliederschmerzen sowie Schlafschwierigkeiten sind nur einige der weiteren Symptome, die bei Pendler:innen diagnostiziert wurden. Weiterhin belastet sie der Stress durch chronische Zeitknappheit und die Abwesenheit vom Lebensmittelpunkt, da damit die Vereinbarkeit von beruflichen und privaten Wünschen und Aufgaben erschwert wird. Die negativen Folgen nehmen in der Regel mit der Pendeldauer bzw. -distanz zu.

Die Corona-Krise hat uns gezeigt, dass ein Großteil der Arbeiten auch von zu Hause aus erledigt werden können und mit Hilfe der digitalen Medien im Homeoffice viel mehr möglich ist, als bisher gedacht. In vielen Unternehmen werden bereits Hybrid-Arbeitsmodelle aus Büro-Tagen und Homeoffice-Tagen für die Zeit nach der Pandemie vorbereitet. Angestellte solcher Unternehmen werden dann zwar auch noch pendeln, aber weniger. Und vermutlich nur an den Tagen, an denen die zusätzliche Wegezeit am wenigsten mit anderen Terminen kollidiert. Die Konsequenz: weniger Stress, mehr Wohlbefinden.

Virtuell vom heimischen Schreibtisch aus zu arbeiten ist außerdem ökonomischer und ökologischer: weniger Ausgaben für Benzin oder ÖPNV-Tickets, weniger Emissionen und freiere Straßen – um nur einige Beispiele zu nennen. 

Pendeln hat auch gute Seiten

Aber nicht alle Pendler:innen sind glücklich, wenn sie im Homeoffice sind. Einigen Arbeitnehmer:innen fehlt die Fahrt ins Büro als Übergang zwischen dem Berufs- und dem Privatleben, denn auf dem Arbeitsweg konnten sie sich mental auf die Arbeit vorbereiten, haben gelesen, geschlafen, einen Podcast gehört oder anderweitig die Zeit für sich genutzt. Es kommt also stark darauf an, ob die Personen freiwillig mobil sind – denn dann zeigen sich kaum negative Folgen für Gesundheit und Wohlbefinden.

Es stellt sich trotzdem die Frage, wie die Arbeit der Zukunft aussehen könnte. Vielleicht wird das Büro zu einer Art Klubhaus, wo man sich gezielt trifft: zu besonderen Anlässen, um sich auszutauschen oder zusammen an einem Projekt zu arbeiten. Denn, und auch das hat die Krise gezeigt, die Kraft die man aus dem sozialen Miteinander zieht, ist schwer zu ersetzen und den kleinen Plausch in der Teeküche mit den Kolleg:innen vermissen viele Arbeitnehmer:innen in den Zeiten der Krise sehr. Wie so häufig: die Mischung macht‘s. 

Die nächsten Jahre werden zeigen, wie sich die gesammelten Erfahrungen aus der Corona-Krise auf die berufliche Mobilität auswirken und ob sich damit möglicherweise auch der Pendelstress verringert.

Die Aussagen dieses Artikel beruhen auf folgenden Quellen:

Homeoffice-Statistik von Statista

BKK Gesundheitsreport (v.a. S. 25, S. 28, S. 229, S. 236, S. 238, S. 243)

Ergebnisse verschiedener Umfragen, die auf onlinemarketing.de zusammengefasst sind

Kategorie: Magazinausgabe #3, Struktur & Kultur

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Lisa kommt aus dem Marketing, hat BWL an der Uni Bremen studiert und liebt es zu organisieren und zu gestalten. Sie kümmert sich daher bei nine to life hauptsächlich um die grafische Umsetzung. Frisch aus der Elternzeit kommend beschäftigt sie sich gerne, aber irgendwie auch zwangsläufig, mit aktuellen Themen wie Achtsamkeit, Mental Load und Vereinbarkeit von Beruf und Familie.

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